Dokumentarfilm ganz stark in Hof
von: Carsten
19. Oktober 2008
Hof – Wenn die Internationalen Hofer Filmtage am 21. Oktober mit Caroline Links IM WINTER EIN JAHR eröffnen, geht es in der oberfränkischen Stadt sechs Tage lang nur um Film. Unter mehr als 1.000 Einreichungen und bei genau so vielen Sichtungen auf internationalen Festivals und in Filmakademien hat Festivalleiter Heinz Badewitz 62 Spiel- und Dokumentarfilme sowie 30 Kurzfilme von nationalen und internationalen Produktionen ausgewählt. Naturgemäß gilt dabei dem Nachwuchs sein besonderes Interesse. Unter den Kurzfilmen finden sich neueste Produktionen der Filmschulen HFF München, dffb Berlin, der HFF “Konrad Wolf” Potsdam-Babelberg, der KHM Köln und der Filmakademie Baden-Württemberg, aber auch Kurzfilme aus Australien, Neuseeland, Frankreich oder Schweden.
Mit 20 Produktionen nimmt der Dokumentarfilm in diesem Jahr eine überragende Stellung ein. Neben FLIEGER von Herbert Brödl sind u.a. zu nennen: DAS VERSCHWINDEN DER ZEIT von Ina Borrmann, über das Erleben der ersten Liebe; Aysun Bademsoy folgt in ICH GEHE JETZT REIN den fünf Mädchen, die sie schon in ihrem Erstling “Mädchen am Ball” 1995 portraitiert hat; STANDESGEMÄSS von Julia von Heinz ist ein Portrait dreier adeliger Singlefrauen auf der Suche nach einem adäquaten Mann, weiterhin im Programm CHRISTOPH SCHLINGENSIEF – DIE PILOTEN von Cordula Kablitz-Post, ein Portrait über ACHTERNBUSCH von Andi Niesser und MEIN HALBES LEBEN vom Österreicher Marco Doringer, ein ironisches Selbstportrait der Generation der 30jährigen; Douglas Wolfsperger zeichnet in seiner Doku DER ENTSORGTE VATER den Krieg der Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen; Michael Verhoeven beschäftigt sich in MENSCHLICHES VERSAGEN mit der Enteignung der Juden in der Nazi-Zeit; German Kral begleitet die Tango-Sänger zu ihrem letzten Auftritt in der Tango-Bar “El Chino” am Stadtrand von Buenos Aires, bevor diese ihre Tür für immer schließt. Aus der Schweiz kommen Gael Metoz mit NOMAD’S LAND, eine Reise auf den Spuren des Genfer Schriftstellers Nicolas Bouvier, Felix Tissi mit seinem “archäologischen Sience-Fiction-Film” DESERT – WHO IS THE MAN? und Kevin Merz mit GLORIOUS EXIT, in dem sich ein schweiz-nigerianischer Schauspieler nach dem Tod des Vaters plötzlich mit seiner afrikanischen Herkunft auseinandersetzen muss.
Claus Strigel, schon oft in Hof dabei, begibt sich mit seiner Ko-Regisseurin Julia Furch und dem iranischen Exildichter Hossein Mansouri in MOND SONNE BLUME SPIEL auf Spurensuche in dessen Heimat und findet eine wahrhaft orientalische Geschichte über Herkunft und die Zauberkraft der Worte. Die aus Hof stammende Isabel Grünwald portraitiert in ihrem 50minuten-Film BRÜDER die ungewöhnliche Symbiose zweier Brüder, die auf einem Bauernhof in Oberfranken leben, und Gerald Koll unternimmt mit 88-PILGERN AUF JAPANISCH eine Reise zur “heiligen Insel” Shikoku.
Unter den nationalen und internationalen Produktionen sind viele Erstlingsfilme zu finden, aber auch Filme bekannter Regisseure wie z.B. Olivier Assayas, Werner Schroeter und Christian Petzold. Fast jedes Jahr kann Rosa von Praunheim einen Film in Hof präsentieren, in diesem Jahr DER ROSA RIESE, eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Jugendtheater Brandenburg über den Beelitzer Frauenmörder, gespielt von Charly Hübner.
Aus Toronto kommt Ed Gass-Donnelly mit THIS BEAUTIFUL CITY, aus Frankreich die Filme STORY OF JEN von François Rotger, LES GRANDES PERSONNES von Anna Novion, LOUISE-MICHEL von Deléphine Benoît und Gustsve Kervern und L’APPRENTI von Samuel Collardey. Moritz Gerber aus der Schweiz zeigt TAG AM MEER, aus England ist vertreten Duane Hopkins mit BETTER THINGS, aus den USA Frank Ruy mit GIVING IT UP, Kelly Reichhardt mit WENDY UND LUCY und Ernst Gossner mit seinem ersten Spielfilm SOUTH OF PICO, aus Belgien kommt der Horrorfilm ARTEFACTS von Giles Daoust und Emmanuel Jespers. Eine israelisch-deutsche Produktion ist die Semi-Dokumentation MENACHEM UND FRED von Ronit Kerstner und Ofra Tevet. Nana Djordjadze stellt ihren neuen deutsch-georgischen Film THE RAINBOWMAKER vor.
Unter den deutschen Filmen präsentiert der Kameramann Jan Fehse seinen ersten Spielfilm IN JEDER SEKUNDE mit Sebastian Koch und Jenny Schily, Friederike Jehn WEITERTANZEN über den schönsten Tag im Leben, Christoph Röhl EIN TEIL VON MIR, Peter Sehr und Marie Noelle zeigen DIE FRAU DES ANARCHISTEN, Marco Mittelstaedt IM NÄCHSTEN LEBEN mit Edgar Selge, Maria Miyayama DER ROTE PUNKT, die Geschichte der jungen Japanerin Aki, die sich auf den Weg nach Deutschland macht, um den Ort, an dem ihre Eltern tödlich verunglückt sind, zu finden.
Die Retrospektive würdigt in diesem Jahr die US-Regisseurin Allison Anders. Zusammen mit Kurt Voss, mit dem sie zwei ihrer Produktionen gedreht hat, wird sie ihre Filme in Hof begleiten.
Am Donnerstag, 23.10. wird der Filmpreis der Stadt Hof vergeben, wie auch der Förderpreis Deutscher Film von HypoVereinsbank, Bavaria Film und dem Bayerischen Rundfunk für Leistungen “hinter der Kamera” unter der Jury von Kameramann Stefan Biebl, Produzent Philipp Budweg und Peter Hartig, Herausgeber cinearte.
Wir freuen uns sehr, in diesem Jahr mit der Firma Kodak GmbH ein Jubiläum zu begehen: Zum 25. Mal wird der Eastman Förderpreis am Samstag, 25.10. in Hof verliehen. Dieser Nachwuchspreis wurde 1984 initiiert und unterstützt junge Talente, die ihre Filme in Hof präsentieren.
Auch das jährliche Fußballspiel findet traditionsgemäß am Samstag, 25.10. um 10:30 Uhr zwischen dem FC Hofer Filmtage und der Hofer Auswahl statt.
Alle Informationen zu den 42. Internationalen Hofer Filmtagen 2008 finden Sie auf
www.hofer-filmtage.de. Das komplette Programm steht ab heute zum Download im Netz.



